Referenzaufnahme für Jahrzehnte, absolut konkurrenzlos
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das Gesamtwerk (Audio CD) Es ist ein großes Verdienst von Boulez, seinen bedeutsamen Einfluss im Musikleben genutzt zu haben, um nach über 20 Jahren eine zweite Webern-Gesamtaufnahme zu realisieren, diesmal mit erheblich erweitertem Material, nämlich den erstaunlichen Frühwerken Weberns (z.B. die Orchesteridylle Im Sommerwind) und einigen posthum veröffentlichten Stücken. Alban Berg bemerkte einmal im Gespräch mit Adorno, die Zeit Weberns werde erst in 100 Jahren [also etwa 2020] kommen, dann werde man seine Werke spielen, so wie man heute [1920] Gedichte von Hölderlin lese. Wenn diese Analogie richtig ist, ist die große Zeit der Webern-Rezeption noch lange nicht gekommen! Diese Kassette kann sie immerhin vorbereiten.
Sehr vorteilhaft für das Anhören ist es, dass die Stücke nach Besetzungen sortiert sind. So widmen sich die ersten beiden CDs ausschließlich den Werken für großes Orchester, inklusive den Schubert- und Bachbearbeitungen. Besonders herausragend die Passacaglia op.1, die Orchesterstücke op. 6 und die beiden Kantaten. Die Klangkultur der Berliner Philharmoniker ist diesen Stücken sehr zuträglich.
CD 3 enthält die Stücke für kleinere Besetzung, auch mit Gesangstimme. Es ist sehr aufschlussreich, die hochbedeutenden 5 Stücke op.10 von einem Kammerorchester, dem fabelhaften ensemble intercontemporain, zu hören, welche Feinheiten kommen da zu Tage! Ob die hochdramatische Francoise Pollet die richtige Besetzung für die kostbaren Lieder op. 8, 13 und 14 ist, mag bezweifelt werden. Lieber wäre es dem Rezensenten gewesen, die wunderbare Christiane Oelze (sie singt mit fast überirdischer Reinheit und vollkommener Sprachbeherrschung) hätte auch diese Werke übernommen. CD 4 enthält nur Lieder für Sopran mit Klavierbegleitung (sehr einfühlsam am Piano: Eric Schneider) und ist eine wahre Fundgrube und Schatzkammer zugleich, weil sie das ganze Spektrum der Webernschen Liedkunst, angefangen von den frühen ausgedehnten Zyklen bis zu den Zwölftonstücken aufzeigt, und das in phantastischen Interpretationen.
CD 5 stellt die Werke für Streichquartett und Streichtrio vor, unter anderem das posthume Streichquartett (1905), das früher noch als Schönbergs op.10 atonale Passagen aufweist. Die Interpretationen des Emerson Quartetts sind äußerst gespannt und sensibel, ein Werk wie die Bagatellen op. 9 entfaltet erst in einer solchen Darbietung seine ganze Größe und das späte op. 28 erklingt nun gar nicht mehr so doktrinär wie befürchtet.
CD 6 mit Stücken für Klavier solo oder mit Cello ist auch von der Spieldauer her mehr ein Ausklang. Immerhin werden die abschließenden Variationen op. 27 von Krystian Zimerman mit erstaunlich kraftvoller, im Mittelsatz perkussiver, Vitalität gespielt. Vielleicht hat er die Aufzeichnungen von Peter Stadlen studiert, der ja noch von Webern unmittelbar beraten wurde. Nun versteht man eher, dass Webern die einzelnen Töne dieses früher schmählich unterschätzten Meisterwerks fast schon opernhaft empfunden hat!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. Oktober 2006
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