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| Rezensionen: | | Anton Weberns gesamtes Musikschaffen liegt nun bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht auf 6 CDs vor. Zwar handelt es sich nicht ausschließlich um Neuaufnahmen, doch sind einige interessante Ersteinspielungen von Weberns Jugendwerken sowie seiner Bearbeitungen darunter. Das Spektrum der Webernbox reicht von frühen, vom Komponisten ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmten Werken ohne Opuszahl bis hin zu seinen späten Meisterwerken. Die stilistische Spannweite seiner kompositorischen Entwicklung lässt sich somit hörenderweise nachvollziehen: vom impressionistisch geprägten Orchesteridyll "Im Sommerwind" über 5 Sätze für Streichorchester op.5, frühe Beispiele für Weberns aphoristischen Kompositionsstil bis hin zu seinem letzten Werk, der zweiten Kantate op.31.
Dazwischen komponierte Webern zahlreiche kammermusikalische Werke, Streichquartette, Sonaten und Lieder. Lyrische Expressivität ist in vielen Stücken enthalten. Äußerste Konstruktivität gepaart mit Spiegelungen und Symmetrien halten den Komponisten, der zusammen mit Arnold Schönberg und Alban Berg zu den Hauptvertretern der Zweiten Wiener Schule zählt, nicht davon ab, ausdrucksstarke, immer wieder von der Natur inspirierte Musik zu komponieren. Als Gegenpol zur spätromantischen großangelegten Sinfonik kann man Weberns kurze und sehr kurze Miniaturen betrachten. Spannung vermag Webern mit nur wenigen Tönen zu erzeugen, durch oft große Intervallsprünge und gewollte Pausen.
Pierre Boulez, dessen Geburtstag sich im Jahr 2000 zum 70. Mal jährt, ist als Komponist geistiger Schüler Anton Weberns. Er dirigiert die Orchesterwerke seines Lehrers mit äußerster Genauigkeit, ohne dabei an Ausdruck zu verlieren. Auch die anderen Interpreten sind sämtlich hervorragende Musiker, die sich auf die konzentrierten Miniaturen einlassen. Angemessene Zartheit im Wechsel mit klanglicher Fülle verleihen die Sopranistinnen Christiane Oelze und Francoise Pollet den Liedern Weberns. Expressive Gesten und emotionale Ausbrüche kommen besonders in den Streichersonaten, interpretiert durch Gidon Kremer und Clemens Hagen zur Geltung. Besonderes Lob verdient auch das Emerson String Quartett, dessen nuanciertes Ausloten feinster Klangfarben und Intensitätsgrade besonders schlüssig und den Zuhörer packend gelungen ist. Ein ausführliches Booklet mit Beiträgen verschiedener Autoren vervollständigt das gelungene Komponistenporträt.--Nina Polaschegg
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