Keine wirklich kritische Biographie
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Ernst Jünger: Die Biographie (Gebundene Ausgabe) Unzweifelhaft war Ernst Jünger eine beeindruckende Persönlichkeit. Die Tatsache seines konsequent gestalteten und geführten Lebens, seine geistige Eloquenz noch im Alter von 100 Jahren, seine vielseitige und umfassende Bildung, all das und mehr muss einem Respekt abverlangen, auch wenn man mit Jüngers allgemeiner Geisteshaltung, die sich im Laufe seines langen Lebens zwar in manchem Aspekt veränderte, grundsätzlich sich selbst aber immer treu blieb, nicht einverstanden ist. Dass Ernst Jünger in so manch kritischer Phase seines Lebens (etwa zur Zeit der Weimarer Republik oder der Nazi-Herrschaft) nicht vollends in die rechts-faschistische Falle tappte und zum Täter wurde, ist sicherlich eines der ganz großen Kunststücke seines faszinierenden Lebens.

Helmuth Kiesel und der Siedler Verlag nehmen nun für sich in Anspruch, die erste Jünger-Biographie veröffentlicht zu haben, "die den umstrittensten deutschen Autor unsererer Zeit weder hofiert noch verteufelt - sondern politisch und ästhetisch ernst nimmt" (Klappentext).
Nun, davon kann, liest man diese Biographie genau, wohl in dieser Form ernsthaft keine Rede sein. Sicherlich, ernst genommen wird Ernst Jünger und sein Werk, manchmal vielleicht etwas zu ernst. Dass die von Ernst Jünger in seinen stilistisch oft arg gestelzt, ja manieriert geschriebenen Büchern dargelegten Sichtweisen und Schlussfolgerungen die eines Kindes des deutschen Kaiserreichs sind, aus deren mentalen Vorgaben sich Jünger Zeit seines Lebens nie wirklich lösen konnte, wird von Kiesel nicht ausreichend herausgearbeitet. Vielmehr behauptet Kiesel für Jüngers Werk eine immer noch aktuelle Gültigkeit, die man, liest man vor allem Jüngers geistes-und zeitgeschichtliche Essays, aber auch seine späteren arg symbolistischen Romane, heute mit einigem Recht zumindest anzweifeln darf.

Kritik an Jüngers Zeit seines Lebens gepflegter elitär-konservativer, ja bisweilen reaktionärer Weltsicht, nimmt Kiesel zwar zur Kenntnis, lässt sie aber nirgends wirklich gelten. Vielmehr relativiert er permanent die krtischen Aussagen zu Jüngers Werk, häufig wehrt er sie aber auch dadurch ab, dass er Kritik mit Gegenkritik beantwortet, ohne die Kritiker jemals wirklich ernst zu nehmen. Insofern ist sein Jünger-Buch eine einzige Ernst Jünger-Apologetik, die Kritik an ihm , seinem Werk und seinen zu recht durchaus umstrittenen Aussagen, an keiner Stelle wirklich richtig zulässt.

Liest man Kiesels Jünger-Biographie aufmerksam, so könnte man sogar einen Grund für Kiesels offenbar starke Affinität zum Autor Jünger und seinem Werk benennen: Kiesel schreibt über weite Strecken selbst in einem ähnlich blutleeren und sprachlich geschraubten Stil, wie der Gegenstand seines Buches selbst es getan hat. Sicher, die Fülle der von Kiesel zusammen getragenen Fakten zu Jüngers Leben sind erstaunlich und anerkennenswert. Aber weniger wäre hier mehr gewesen. Es ist ermüdend, wenn Kiesel über viele Seiten hin einzelnen Werken oder Büchern Jüngers eine detailierte Inhaltsangabe nebst dazugehöriger Interpretation liefert, und dies dazu noch in einer sehr akademischen und eben auch elitären Weise, die immer und immer wieder den Literatur-Professor herauskehrt, der seinem Leser fast alles minutiös erklären muss. Ein wenig mehr ironisch-humorvolle Distanz zum Gegenstand seines Buches und zum eigenen akademischen Anspruch hätte diesem Buch gut getan.

Alles in allem also ein durchaus informatives wenn auch vielfach zu unkritisches Buch über Ernst Jünger für denjenigen, der sich auf eine so lange und streckenweise ermüdende, ja manchmal sogar langweilige Lesereise einlassen mag.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 23. Februar 2008
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Kriegstagebuch 1914-1918
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